Traumatische Folgen von Gewalterfahrungen im Beziehungskontext

Fortbildungsinhalte

Die Situation von Kindern, die Gewalt in der Familie ausgesetzt sind, wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Kontrovers diskutiert werden dabei etwa Fragen des Kindeswohls bei Umgangsregelungen bei Trennungen wegen häuslicher Gewalt. Das Thema wurde im Kontext „häuslicher Gewalt“ auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben und gewinnt also zunehmend auch politische Aufmerksamkeit.

Tatsächlich ist Gewalt in der Familie bzw. häusliche Gewalt ein zentraler Risikofaktor für körperliche Misshandlung von Kindern sowie für sexuellen Missbrauch. In unterschiedlichen Studien wurden Überlappungsraten zwischen 30 bzw. 45% bis zu 60 bzw. 70% gefunden. Aber auch wenn Kinder nicht selbst körperlich misshandelt werden und „nur“ Zeuge der Misshandlung der Mutter sind, muss dies als emotionale Misshandlung verstanden werden. Das Risiko einer transgenerationalen Wiederholung von beziehungsbezogenen Gewalterfahrungen und deren negativen Folgen ist hoch.

Wegen der hohen Angewiesenheit von Kindern auf Fürsorge bzw. emotionale Sicherheit und Schutz durch ihre Bindungspersonen, in der Regel ihre Eltern, lässt sich ihre eigene Befindlichkeit und Belastung nicht von der ihrer hauptsächlichen Bezugspersonen, überwiegend ihrer Mütter, trennen. Dies ist eine der zentralen Annahmen der ethologischen Bindungstheorie. Mütter als Opfer von Partnerschaftsgewalt können häufig ihr Kind nicht vor dem Miterleben schützen, so dass das Risiko einer Traumatisierung auch bei den Kindern besteht.

Für die Praxis bedeutet dies einen ganzheitlichen Blick auf das Beziehungssystem zu haben und Hilfen und Unterstützung auch unter einer beziehungsbezogenen Perspektive anzubieten. Das bedeutet weder das Kinderschutzthema auszublenden, noch die Eltern „nur“ auf ihre Schutzfunktion für die Kinder zu reduzieren.

Themen:

  • Empirische und klinische Grundlagen zum Verständnis von Gewalt in Familien
  • besondere Berücksichtigung der Erlebens-, Verarbeitungs- und Verhaltensweisen von Kindern im Spannungsfeld von Bindung und Gewalt
  • Umgang mit (potenziellen) Traumatisierungen/Traumafolgestörungen bei Kindern
  • praktische Ableitungen z.B. für Umgangsregelungen, Besuchskontakte, Fremdplatzierungen

TeilnehmerInnenzahl

30 max

Dozentinnen

Prof. Dr. Ute Ziegenhain

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie,
Universitätsklinikum Ulm

Dr. Anne Katrin Künster

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, 
Universitätsklinikum Ulm

Zielgruppe

Sachverständige im Familienrecht, Verfahrensbeistände, UmgangspflegerInnen, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, PädagogInnen

Ort

Berlin

Zeit

07.11.2018, 09.30 -17.00 Uhr
08.11.2018, 09.30 -17.00 Uhr

 

Kosten

310,00 €

Ort: Berlin

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